Institut für GewaltpräventionFreies Institut für interdisziplinäre Gewaltpräventionsstrategien
Gewalttaten, die nicht aus einer Erregungssituation hervorgingen oder der Bereicherung dienten, werden oft als
„irrational“ angesehen. Ihr Sinn entzieht sich dem Beobachter. Allenfalls wenn der Erfahrungsbereich eines Täters
dem eigenen nahe ist, wird der Beobachter milder gestimmt. Doch wie sieht es aus, wenn ein Jugendlicher seine
Freundin unter einem Vorwand in den Keller lockt, ihr die Augen verbindet und dann mehrfach auf sie einsticht?
Wie, wenn ein Mann Kinder verfolgt, sie vergewaltigt und sich Andenken vom Tatort mitnimmt? Der Schlüssel zum
Verständnis derartiger Tatmotivationen ist in den Phantasien des Täters zu suchen. Hier kann der subjektive Sinn
für seine Handlungen gefunden werden. Neben Äußerungen des Täters und Beobachtungen des Umfelds finden sich
Ausprägungen der Phantasien auch in Tagebucheinträgen, Zeichnungen, Aufsätzen, Filmen oder anderen kreativen
Umgangsformen mit der eigenen Innenwelt.
Dabei sind die Inhalte und Strukturen solcher Phantasien nicht immer leicht zugänglich. Das Wissen um
Ausgestaltung und Bedeutung von Phantasien ist für Strafverfolgung, Forensik, Sozialarbeit und Gewaltprävention
überaus bedeutsam. Richtig angewandt erlaubt das Wissen um Phantasien Hilfestellungen bei der Einschätzung von
Tatmotivation und Gefährlichkeit, erlaubt die Relevanz eines Tatortes oder einer Handlung zu verstehen. Und
vielleicht noch wichtiger: Es erlaubt, präventive Schritte einzuleiten, um das Entstehen von intensiven,
zielgerichteten Gewaltphantasien zu vermeiden.
In diesem Seminar wird relevanten und praxisorientierten Fragen nachgegangen, die die alltägliche Arbeit
unterstützen sollen. Hierzu zählen etwa die Themen:
Ein begleitendes Fachbuch zum Seminar erscheint 2011 unter dem Titel „Gewaltphantasien“ in der Institutsreihe Praxiswissen Gewaltprävention beim Verlag für Polizeiwissenschaft.